PHOSPHORUS
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URSUBSTANZ
Systematik: Gelber Phosphor eigentlich weißer Phosphor, der aufgrund geringer Beimengungen gelb erscheint) Beschreibung: Phosphor gibt es in der Natur nicht als Element, sondern nur in chemischen Verbindungen. Der weiße Phosphor besteht aus weißen bis gelben Kristallen. Bei Zimmertemperatur ist er wachsweich, bei +44°C wird er flüssig. Er ist chemisch außerordentlich reaktionsfähig. In feiner Verteilung entzündet er sich an der Luft von selbst und brennt mit leuchtend gelber Flamme, die schwer löschbar ist und sich immer wieder selbst entzündet. Deshalb ist er in Form kompakter Stangen, die unter Wasser aufbewahrt und geschnitten werden müssen. In Wasser ist er schwer löslich, jedoch leicht löslich in Kohlenstoffdisulfid. An der Luft leuchtet weißer Phosphor schwach im Dunkeln (Phosphoreszenz). Er ist stark giftig und wirkt ätzend. Durch Lichteinstrahlung verändert er sich zu roten Phosphor. Phosphor ist ein essentieller Mineralstoff für den menschlichen Körper. Er findet sich gewöhnlich in Verbindung mit Calcium in Knochen und Zähnen. Er ist, wie Calcium, für die Bildung, das Wachstum und die Erhaltung gesunder Knochen und Zähne essentiell. Er wird auch von den Muskeln und in geringem Maße vom Nervengewebe benötigt. Ferner ist er für die Verwertung von Fetten und Fettsäuren im Körper notwendig. Phosphor wird mit Hilfe von Vitamin D resorbiert und metabolisiert. Phosphormangel kann zu Gewichtsverlust und Müdigkeitsgefühl führen. Bei Kindern wirkt er sich durch verzögertes Wachstum, schlechte Knochen- und Zahnbildung sowie Rachitis aus. Vorkommen: chemisch gebunden in Phosphaten (Apatit Ca5(PO4)(OH,F,Cl)
Hauptanwendungsbereich (Indikation): Asthma bronchiale, Bronchitis, Lungenentzündung, Hepatitis, Erschöpfungszustände nach Infektionskrankheiten, Gastritis, Magengeschwür, Hepatitis, Herzschmerzen, Entzündung der Knochenhaut (Periostitis), Nierenentzündung (Nephritis) Zahnkaries, Blutungen. Phosphor wirkt auf die Nerven, Schleimhäute, Knochen, Gefäßnerven und Kapillaren, den Verdauungstrakt, Herz, Leber und Nieren. Phosphor ist eines der drei Mittel (neben Arsen und Sulphur), bei dem alle Beschwerden von dem Symptom "Brennen" begleitet werden. Phosphor heilt Neuralgien, Bronchitis, Lungenentzündung, Erschöpfungszustände nach Infektionskrankheiten, Magen-Darmkatarrhe, Leber- oder Nierenentzündung sowie Knochenkrankheiten. Symptome des Patienten: Beim Phosphor-Patienten handelt es sich um zarte, feingliedrig, sensibel, schlanke, hochaufgeschossene Menschen mit schwachen Knochen und Gelenken. Er ist extrovertiert, warmherzig und spricht offen aus, was er denkt. Der Phosphor-Typus ist sehr unruhig, kann weder ruhig sitzen noch stehen und neigt zu Ängstlichkeit. Er fürchtet sich vor einem Gewitter und vor dem Alleinsein. Charakteristisch ist die Tendenz zu Blutungen, selbst kleine Wunden bluten stark. Sein sexuelles Verlangen ist groß, doch wenn es darauf ankommt, ist er zu schwach. Es treten teils Verstopfung, teils Durchfälle (Bleistiftstühle) auf, die schmerzlos und reichlich sind. Der Patient schwitzt besonders nachts und leidet unter starkem Durst, besonders auf kalte Getränke, und starkem Hunger, der sogar nachts auftreten kann. Er hat Appetit auf Schokolade, Süßigkeiten und Eiscreme. Ein brennendes Gefühl kann am ganzem Körper auftreten, besonders aber zwischen den Schulterblättern, an Händen und Füßen oder den Rücken hinauf. Die Symptome sind auf der linken Seite schlimmer. Der Phosphor-Patient ist entweder warmblütig oder kälteempfindlich. Verschlechterung des Befindens: Berührung, körperliche oder geistige Anstrengung; Dämmerung, abends; warme Speisen und Getränke; Wetterveränderung, Wechsel von feuchtem zu heißem Wetter, Liegen auf der linken bzw. schmerzenden Seite; während eines Gewitters; Berührung, Treppenhinaufgehen Verbesserung des Befindens: in der Dunkelheit, Liegen auf der rechten Seite; kalte Speisen; im Freien; Waschen mit kaltem Wasser; Schlaf
Abkürzung in der Homöopathie: Phos.
PRÜFUNGEN
LEITSYMPTOME
- Verlangen nach Gesellschaft (4)
ÄTIOLOGIE
MODALITÄTEN
Verschlimmerung
- <
Besserung
- >
MIASMATIK
KLINISCHE INDIKATIONEN
GEISTES- UND GEMÜTSSYMPTOME
Niedergeschlagen, leicht gereizt, ärgerlich, störrisch, ängstlich, schwach, erschöpft. Überempfindlich gegenüber äußeren Eindrücken. Begeisterungsfähig, Angst vor dem Tod, wenn er allein ist. Gehirn fühlt sich müde an. Hitze im ganzen Körper. Ruhelos, nervös. Überempfindlich, gleichgültig, vergeßlich.
Stupor, schleichendes, murmelndes Delirium; Flockenlesen; geschwätzig. Denkt er besteht aus einzelnen Stücken und kann die Teile nicht zusammenfügen. Stupor, aus welchem er für einen Moment geweckt werden konnte um wieder in eine murmelnde Lethargie zurückzufallen; und Vergeßlichkeit.
Große Apathie; sehr träge; Abneigung gegen Sprechen; antwortet langsam oder überhaupt nicht. Große Gleichgültigkeit gegen alles. Abwechselnd hysterisches Lachen und Weinen.
Empfindliche Stimmung, lebensüberdrüssig. Traurig, ängstlich, niedergeschlagen; von trüben Vorahnungen erfüllt. Ängstlich, besorgt. Große Angst und Ruhelosigkeit, besonders wenn alleine oder während einem Gewitter. Nervös, furchtsam, besonders am Abend. Sehr reizbare und mürrische Stimmung. Große Abneigung gegen geistige oder körperliche Anstrengung. Unfähigkeit zu denken; Gedanken sind langsam; kann den Geist nicht auf einen besonderen Gegenstand richten.
- Verlangen nach Gesellschaft (einziges 4-wertiges Mittel! 3-wertig: ARGENTUM NITRICUM, ARSEN, BISMUTHUM, GALLICUM ACIDUM, HYOSCYAMUS, KALIUM CARBONICUM, LAC CANINUM, LYCOPODIUM).
- Empathie: Verlangen nach Mitleid (einziges 4-wertiges Mittel!).
- Angst und Furcht: Furcht vor Gewitter (einziges 4-wertiges Mittel!). Furcht vor dem Tod (3) (4-wertig: ARSENICUM ALBUM, ACONITUM NAPELLUS; weiters 3-wertig: CALCIUM CARBONICUM, CIMICIFUGA, GELSEMIUM, KALIUM ARSENICOSUM, LAC CANINUM, MANCINELLA, ACIDUM NITRICUM, NUX VOMICA, PLATINUM).
Gleichgültigkeit der Mutter gegenüber ihren Kindern (4) (weiters 4-wertig: SEPIA; 2-wertig: LYCOPODIUM). Gleichgültigkeit gegenüber den Verwandten (4) (weiters 4-wertig: SEPIA; 3-wertig: HELLEBORUS).
ALLGEMEINSYMPTOME
Schwindel schlechter durch Anstrengung der Augen (4) (weiters 4-wertig: NATRIUM MURIATICUM).
Verlangen
Verlangen nach Salz (4) (weiters 4-wertig: NATRIUM MURIATICUM und VERATRUM ALBUM).
Abneigungen
CHARAKTERISTISCHE SYMPTOME (Schema Kopf zu Fuß)
Kopf
Müdigkeitsgefühl im Kopf (einziges 4-wertiges Mittel!).
Schwindelgefühl, bei alten Menschen, nach dem Aufstehen. Hitze kommt von der Wirbelsäule. Neuralgie; entsprechender Teil muß warm gehalten werden. Brennende Schmerzen, chronischer Blutandrang im Kopf, Schwindelgefühl, mit Ohnmachtsneigung. Stirnhaut fühlt sich gespannt an. Jucken der Kopfhaut, Schuppen, Haarausfall.
Augen
Sieht schwarze, schwebende Flecken vor den Augen (4) (weiters 4-wertig: NATRIUM MURIATICUM, SEPIA).
Grauer Star. Gefühl, als ob alles mit Nebel oder einem Schleier überdeckt wäre. Patient sieht besser wenn er die Augen mit der Hand übschattet. Ermüdung der Augen, schon bei geringer Anstrengung. Grüner Strahlenkranz um Kerzenlicht. Buchstaben sehen rot aus. Perlweiße Bindehaut und lange, gebogene Wimpern. Glaukom.
Ohren
Erschwertes Hören, besonders was die menschliche Stimme betrifft (4) (weiters 4-wertig: SULPHUR). Widerhall von Geräuschen (4) (weiters 4-wertig: CAUSTICUM).
Nase
Zittern der Nasenflügel. Nasenbluten, anstelle der Menstruation, überempfindlicher Geruchsinn. eingebildete schlechte Gerüche. Chronischer Katarrh. Taschentuch ist immer blutig. Polypen, bluten leicht.
Gesicht
Blass, kranke Ausstrahlung; blaue Ringe unter den Augen, reißende Schmerzen in Gesichtsknochen, eine oder beide Wangen gerötet. Schwellung des Unterkiefers.
Mund
Geschwollenes, leicht blutendes Zahnfleisch. Zunge trocken, glatt, rot oder weiß belegt. Ständiges Bluten nach Zahnziehen. Trockenheit der Rachenhohle. Durst nach sehr kaltem Wasser. Saurer Geschmack. Appetit auf Schokolade, Süßigkeiten und Eiscreme.
Zähne:
Innerer Hals
Heiserkeit, schlechter gegen Abend. Kehlkopf sehr schmerzhaft. Halsschmerzen. Heftiges Kitzeln im Kehlkopf beim Sprechen. Flüsterstimme, schlechter gegen Abend, wundes, schmerzhaftes Gefühl. Kann nicht sprechen auf Grund des schmerzenden Kehlkopfes.
Atemwege
Reizhusten, durch Kitzeln im Hals, verschlechtert durch kalte Luft, Lesen, Lachen, Reden, Süßlicher Geschmack beim Husten. Harter, trockener, plagender Husten.
Husten beim Gehen von warmen Räumen in kalte Luft oder umgekehrt (einziges 4-wertiges Mittel!). Muß sich während dem Husten aufsetzen (4) (weiters 4-wertig: CONIUM, PULSATILLA).
Brust
Herz und Puls
Heftiges Herzklopfen vor Angst, beim Liegen auf der linken Seite. Puls schnell, schwach. Herzerweiterung. Gefühl von Wärme im Herzen.
Abdomen
Magen
Hungergefühl schon bald nach dem Essen. Hungergefühl während Fieber (einziges 4-wertiges Mittel! 2-wertig: CHINA und CINA).
Saures Aufstoßen nach jeder Mahlzeit. Nach dem Essen lautes Aufstoßen großer Mengen Luft. Erbrechen; Wasser wird ausgebrochen, sobald es im Magen erwärmt wird. Erbrechen nach einer Operation. Mageschmerzen besser durch kalte Speisen, Eis. Magen berührungsempfindlich, Schmerzt beim Gehen. Magenentzündung mit brennendem Gefühl, erstreckt sich bis zum Hals. Schlechte Wirkung von zuviel Salz.
Bauch: Gefühl von Kälte, scharfe, schneidende Schmerzen. Sehr schwaches, leeres Gefühl im Bauch. Stauungsleber. Akute Hepatitis. Verfettung der Leber, Gelbsucht, Bauchspeicheldrüsenerkrankung. Große, gelbe Flecken auf dem Bauch.
Äußerer Hals und Rücken
Brennen im Rücken; abgebrochenes Gefühl. Hitze zwischen den Schulterblättern; schwache Wirbelsäule.
Gliedmaßen: Stiche in Ellbogen und Schultergelenken. Brennende Füße. Schwäche und Zittern bei jeder Anstrengung. Kann kaum etwas mit seinen Händen halten. Arme und Hände werden taub. Kann nur auf rechter Seite liegen. Plötzliches weiches Gefühl in den Gelenken. Kribbelgefühl oder Pelzigsein der Fingerspitzen
Rektum, Anus und Stuhl
Sehr übelriechender Stuhl, übelriechende Flatulenzen. Langer, schmaler, harter Stuhl. Erschwerter Stuhlgang. Beim Liegen auf linker Seite Bedürfnis nach Stuhlgang. Durchfall, schmerzlos, große Mengen, schwächend. Unfreiwilliger Stuhlabgang, es scheint so als ob After geöfnet ist. Große Schwäche nach Stuhlgang. Absonderung von Blut aus dem Mastdarm, während dem Stuhlgang. Weißer, harter Stuhl. Blutende Hämorrhoiden.
Harnorgane
Urin:
Blut im Harn. Trüber, bräunlicher, Urin mit rotem Sediment.
Männliche Genitalien
Mangelnde Zeugungskraft. Starkes Verlangen; unbewußter Samenverlust durch lustvolle Träume.
Weibliche Genitalien
Bleichsucht, Venenentzündung, leichte Gebämutterblutung. Brustdrüsen eitern, brennende, wässrige, übelriechende Absonderung. Nymphomanie.
Menstruation:
Menses zu früh, wenig, aber zu lang. Weinerlich vor der Menstruation. Stechende Schmerzen in der Brust. Starker Weißfluss (Fluor albus), schmerzend, anstelle der Menstruation. Ausbleiben der Regel, unregelmäßige Menstruation.
Extremitäten
Obere Extremitäten
Untere Extremitäten
Kalte Knie nachts (einziges 4-wertiges Mittel! 3-wertig: CARBO VEGETABILIS).
Haut
Sommersprossen (4) (weiters 4-wertig: LYCOPODIUM; 3-wertig: SEPIA und SULPHUR).
Wunden bluten sehr, sogar kleine. Sie heilen und brechen wieder auf. Gelbsucht. Kleine Geschwüre außerhalb von großen Geschwüren. Skorbut.
Fieber und Frost
Jeden Abend Schüttelfrost, nachts kalte Knie. Müde und erschöpft, mangelnder Durst, dafür aber unnatürlicher Hunger. Hektisch, schneller, schwacher Puls. Nachtschweiß. Starkes Schwitzen.
Schlaf
Sehr schläfrig, besonders nach dem Essen. Schlaflosigkeit bei alten Menschen. Lebhafte Träume vom Feuer, von Blut. Lustvolle Träume. Geht spät schlafen, erwacht geschwächt. Kurze Schläfchen, häufiges Erwachen.
Träume
BESONDERE HINWEISE
Bewährte Indikationen
Thema des Arzneimittels
Körperlich:
Psychisch:
Hinweise zur Signatur:
Symbolik, Mythologie, Analogien aus Literatur und Künsten:
VERWANDTE MITTEL
Komplementärmittel/Ergänzungsmittel
Folgemittel
Zyklen
Kollateralmittel/Vergleichsmittel
Verwendete Potenzen: D4, D5, D6, D12 Ähnlich wirkende Mittel: Sepia, Lycopodium, Sulphur, China
Antidote
Gegenmittel (Antidot): Nux vomica
Es antidotiert
QUELLEN
LINKS
Radar 9, Archibel
PHOSPHOR Auszug Vithoulkas
Ausbreitung und Durchdringung sind die Kennzeichen von Phosphor, die sich gleich einem Leitmotiv durch die Pathologie dieses Typus hinziehen. Wie sich Rauch in der Luft oder die Färbung eines Teebeutels im heißen Wasser ausbreiten, verteilen und Luft oder Wasser durchdringen, so verteilen sich die Energie, die Aufmerksamkeit, das Gefühlsleben, ja das Blut des Phosphor-Patienten in seiner Umgebung und durchdringen sie. Es scheint, als stieße ein solcher Mensch nirgends auf Grenzen. Die Folge: Der Phosphor-Typus ist allseits beeinflußbar und verwundbar. Auf der leiblichen Ebene führt fast jede Verletzung oder Belastung zu starkem Bluten, zu Hämorrhagien - die Blutgefäße sind schwach und erlauben dem Blut, sich leicht im umliegenden Gewebe zu verteilen. In seelischer Hinsicht öffnet sich der Phosphor-Mensch seiner Umwelt, geht auf seine Mitmenschen zu, vermag seine Gefühle schlecht zurückzuhalten und setzt sich damit schmerzhaften Erfahrungen aus. Geistig schließlich ist er so aufgeschlossen, daß er in Gefahr gerät, diffus und unkonzentriert zu wer-den,ja sich selbst zu vergessen - er neigt dazu, den Boden unter den Füßen zu verlieren (easily "spaced out").
Führen wir uns auch hier zunächst den gesunden Typus vor Augen, der nichtsdestoweniger die Prädilektion zur Phosphor-Pathologie in sich trägt. Krankhafte Störungen können ausbrechen, wenn der Abwehrmechanismus durch zuviel Streß überfordert wurde. Vergessen Sie nie, daß wir aufgrund von pathologischen Symptomen verschreiben und unsere Mittelwahl nicht auf gesunden Eigenschaften basiert. Der Phosphor-Mensch ist meist groß und schmal gebaut, feingliedrig, mit zartem Haar, zarter Haut und zarten Händen. Als Kind besitzt er eine warme, herzliche Ausstrahlung, ist künstlerisch empfänglich und sehr sensibel, dabei offen und leicht zu beeindrucken; die Seele eines solchen Kindes liegt vor dem Betrachter wie ein aufgeschlagenes Buch. Während der Pubertät findet dann ein Wachstumsschub statt, der zu den typischen mageren, schmächtigen Erscheinungsbildern führt.
Auch im späteren Leben ist der Phosphor-Typus warmherzig, freundlich und extro-vertiert; er fühlt sich unter Freunden und in Gesellschaft wohl, kann aber auch die Einsamkeit genießen, um seinen künstlerischen Neigungen nachzugehen. Es ist angenehm,einen solchen Menschen um sich zu haben, er zeigt echtes Mitgefühl und stellt die Belange seiner Freunde über sein eigenes Wohl.
Der Phosphor-Typus ist hochintelligent und feinsinnig. Geheimniskrämerei kennt er nicht - was ihn bewegt, spricht er offen aus. Sein freundliches Interesse erstreckt sich selbst auf Fremde; zwischenmenschliche Beziehungen machen einen Großteil seines Lebensinhaltes aus. Er eignet sich gut als Politiker, der für humanitäre Ziele eintritt, kann aber auch einen erfolgreichen Verkäufer abgeben -alles, woran er selbst glaubt, kann er auch nach außen überzeugend vertreten. Zugleich bewirkt die erwähnte Beeindruckbarkeit, daß er alles annimmt, was man ihm sagt, sofern er nicht selbst auf diesem Gebiet kompetent ist; hat er aber einmal eine Überzeugung gewonnen, tritt er allenthalben enthusiastisch und mit Erfolg dafür ein.
Auch für den Homöopathen ist ein solcher Patient ausgesprochen angenehm. Er nimmt bereitwillig an, was man ihm sagt, befolgt die Anweisungen dankbar und willig, betrachtet den Arzt von Anfang an als Freund, reicht ihm herzlich die Hand und sitzt beim Gespräch vertrauensvoll nach vorn geneigt. Er erzählt rückhaltlos alle Symptome und läßt unbegründete Befürchtungen, wie sie bei ihm oft und vielfältig auftreten, durch wenige beruhigende Worte leicht zerstreuen.
Die Zerstreutheit der Phosphor- Patienten zeigt sich deutlich in ihrer Schreckhaftigkeit. Jeder von uns kennt das Tagtraumen; die Gedanken entschweben in ferne Gefilde. Wird nun ein solcher Tagtraum durch einen plötzlichen Knall oder Donner-schlag unterbrochen, so erschrecken wir, weil wir jäh und unvermittelt in die Wirklichkeit zurückgerissen werden. Ebenso ist es beim Phosphor-Typus,aber als Dauerzustand. Bei einem Gewitter z.B. ist der normale Mensch nach dem ersten Donnerschlag auf die nächsten Schläge gefaßt und erschrickt nicht mehr besonders; der Phosphor-Mensch hingegen schweift in Gedanken immer wieder rasch ab und schrickt jedesmal vom neuem zusammen.
Im ersten Stadium der krankhaften Entartung herrschen beim Phosphor-Typus gewöhn-lich körperliche Symptome vor, etwa die Neigung zu Blutungen. Dieses Stadium kann schon mit 5 oder erst mit 35 Jahren eintreten. Leicht kommt es zu Nasenbluten. Bei der Menstruation können die Blutungen reichlicher und länger als gewöhnlich sein. Die Farbe ist ein leuchtendes Rot.
Die Blutungstendenz ist für Phosphor charakteristisch und zeigt im Physischen, was auch wesensmäßig angelegt ist, nämlich die überschäumende Wärme und Ausstrahlung ohne Sinn für die Grenzen des Zumutbaren.
Zugleich fällt in diesem Stadium auf, daß der Phosphor-Patient leicht Erguickung durch Schlaf findet. Das hängt mit seiner Fähigkeit zusammen, rasch alle gespannte Konzentration aufzugeben und die Gedanken treiben zu lassen - er braucht weniger Zeit und Mühe, sich entspannter Ruhe hinzugeben als der Durchschnittsmensch und ist auch schon durch kurze Ruhepausen (Mittagsschlaf) wieder hergestellt.
Außerdem ist bei Phosphor starker Durst, besonders auf kalte Getränke, charakteri-stisch. Bei Magenbrennen (bei Phosphor sind innerlich brennende Schmerzen typisch -ein Ausdruck der Wärme) wirken kalte Getränke lindernd, allerdings nur solanae,bis sie ebenfalls Magentemperatur angenommen haben. Typisch ist ferner das gesteigerte Verlangen nach Salz. Beide Eigentümlichkeiten können auf eine Unausgewogenheit im Elektrolythaushalt des Körpers hinweisen. Dafür spricht auch der Appetit auf Fisch, daneben kommt Verlangen nach Eiscreme, Schokolade und Süßigkeiten vor. Letzteres im Verein mit dem Durst weist beim Phosphor-Patienten auf eine Anfälligkeit für Diabetes mellitus hin.
Im weiteren Verlauf der pathologischen Entwicklung kommt es zu Blutungen der inneren Organe. So können schmerzlose Blutungen im Magen-Darm-Trakt zu unerwartetem Bluterbrechen oder zu Teerstühlen führen. Auch Bronchitis kommt vor, die schon in milder Form zum Aushusten von hellem Blut führt. Ferner kann Blut im Urin sein ohne weitere Begleiterscheinungen - Laboratoriumstests und Röntgenuntersuchungen ergeben keinen Befund. In solchen Fällen denke der Arzt an Phosphor.
Trotz des Vorherrschens leiblicher Symptome regen sich auch bereits geistig-seelische Störungen, die mit fortschreitender Krankheit zunehmen: Ängste und Befürchtungen. Sie richten sich zunächst auf das Wohl nahestehender Mitmenschen; sie können in krankhafte Überängstlichkeit ausarten, die Kräfte verzehrt. Hier ist das Mitgefühl echt und kein verkappter Egoismus (wie bei Arsenicum album).
Besonders stark ist die Angst, krank zu werden. Der Patient in seiner Beeinfluß-barkeit braucht nur von der Krankheit eines anderen zu hören, schon meint er, sie müsse ihn selbst treffen. Wenige Worte genügen, um ihn zu beschwichtigen - er seufzt erleichtert und ist überaus dankbar - aber nur, bis er von einer neuen Erkrankung erfährt.
In diesem Stadium stellen sich weitere Ängste ein: vor der Dunkelheit, vor dem Alleinsein, vor Zwielicht, vor Gewitter. Anfangs sind die Ängste noch schwach, der Patient hat nach wie vor viel Durst und erholt sich im Schlaf sehr gut.
Im dritten Stadium schließlich bricht der Patient unter der tast seiner Ängste und Befürchtungen zusammen. Ließen sie sich anfänglich noch relativ leicht zer-streuen, ergreifen sie nun gänzlich von ihm Besitz. Immer schwerer wird es ihm, sich durch Schlaf zu entspannen; die Angst kann zu Hyperventilation und damit zu einem Ungleichgewicht des Säure-Basen-Haushaltes führen. Jetzt erwacht er unausgeruht und voller Angst (wie Lachesis, Graphit und Arsenicum album).
Die nächste Stufe ist eine "freischwebende Angst", für die sich keine bestimmte Ur-sache mehr finden läßt. "Irgendetwas Schlimmes kommt auf mich zu" - dieses Empfinden begleitet das Leben des Patienten von nun an wie leise Hintergrundmusik. Alles, was ihm nur irgend zustoßen könnte, wird angstvoll gedanklich vorweggenommen, besonders Krankheiten (Krebs).
Die letzte Angst ist die vor dem Tod. Eine Panik setzt ein - überall scheint der Tod zu lauern, ja, schon im Patienten zu wohnen, sobald er allein ist. Er hat das Empfinden von Flaum, von Flockigem (fuzziness) in seinem Inneren oder als ob Blasen innen aufstiegen und nach außen drängten. Er sagt, es scheint, als wolle seine Seele den Körper verlassen. Dabei sind Hyperventilation, starke Erregbarkeit und Zittern zu beobachten.
An diesem Punkt angelangt, braucht der Patient dringend die Nähe anderer Menschen; mitunter verläßt er das Haus, um mit jemandem sprechen zu können, egal worüber, nur um der panischen Angst zu entfliehen (nicht wie der Arsenieum-album-Patient, der speziell über seine Krankheit mit anderen sprechen muß).
Je mehr sich die geistig-seelischen Symptome verschlimmern, desto weniger sind die leiblichen vorhanden: kein Durst, kein Verlangen nach Fisch und Salz mehr.
Am Ende, im vierten Stadium, erfolgt der endgültige Zusammenbruch. Die Ängste gehen zurück, aber der Geist degeneriert. Konzentrationsschwäche, Unvermögen zusammenhängend zudenken und das Nichtverstehen anderer signalisieren den geistigen Verfall. Körper und Geist werden schwach. Der Patient stumpft ab, die Menschen um ihn, seine ganze Umgebung werden ihm gleichgültig. Er verfällt in einen Zustand von Senilität und Imbezilität. Ein Schlaganfall kann den Niedergang besiegeln.
In diesem letzten Zustand ist es schwer, das richtige Mittel zu verschreiben, weil die Armut an Symptomen zu Verwechslungen führen kann. Deshalb muß die Vor-geschichte sorgfältig erforscht werden.
Hat man erst einmal die Grundstruktur von Phosphor erkannt, braucht man die Mittelwahl nur noch durch einige wenige zusätzliche Symptome zu erhärten. Die nützlichen Anhaltspunkte sind: Durst auf kalte Getränke, Verlangen nach Salz, Schokolade und Süßigkeiten, vermehrte Beschwerden der linken Seite, Unfähigkeit auf der linken Seite zu schlafen, Kribbelgefühl und Pelzigsein der Fingerspitzen und schmerzloser Stimmverlust. Auch die Langsamkeit der Bewegung und "Strohfeuer" für Personen oder Ideen sind typisch. Außerdem können verschiedene Phosphor-Patienten warmblütig oder kälteempfindlich sein, und zwar jeweils nur eins von beiden.